Wie wir helfen - Erläuterung der Angebote

PÄDAGOGISCHER ANSATZ

Die pädagogische Arbeit im Martinswerk orientiert sich an der Lebenswelt der bei uns untergebrachten Kinder und Jugendlichen und an psychodynamischen und systemischen Ansätzen.

In den einzelnen Wohngruppen möchten wir den Kindern und Jugendlichen eine wohnliche, Geborgenheit vermittelnde Atmosphäre bieten, in der die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen Vertrauen aufbauen und lernen können, ihre Bedürfnisse legal und sozial angemessen auszudrücken.

Wir arbeiten Familien ergänzend, in besonderen Situationen auch Familien ersetzend. Hauptziele der Arbeit sind Rückkehr in die Familie oder Verselbstständigung.

Ein weiterer konzeptioneller Schwerpunkt ist unser übergreifender Dienst, der mit zwei Psychologinnen, einer Heilpädagogin, einem Sportpädagogen, einem Erlebnispädagogen und einem Schwimmmeister besetzt ist. Sie begleiten und unterstützen die erzieherische Arbeit therapeutisch, wie auch durch fachspezifische Behandlung.

Wegen der exponierten Lage werden diese fachspezifischen Dienste bewusst aufrechterhalten, da adäquate externe Bereiche oftmals mit unserer Klientel überfordert sind.

ERLÄUTERUNGEN DER BETREUUNGSFORMEN

Im Martinswerk sind die Betreuungsintensitäten wie sie vom Rahmenvertrag gefordert sind, bestenfalls noch Orientierungsgrößen. Die Betreuungsdichte ist, in der Regel, über alle drei Betreuungsformen hinweg stärker als gefordert. Dies ergibt sich aus den individualisierten Hilfsangeboten, die mit den gängigen Betreuungsintensitäten nicht zu realisieren wären.

Was ist eine Regelgruppe?
Die Regelgruppe ist nach gängigem Jugendhilfemuster die Grundstruktur einer Gruppe in der stationären Jugendhilfe. Sie entspricht einer personellen Besetzung von 4,7 Pädagogen : 9 Kindern und damit einem Personalschlüssel von 1 pädagogischen Fachkraft zu 1,91 jungen Menschen. Die Nachtbereitschaft, also die ständige Präsenz von Pädagogen ist dabei bereits berücksichtigt. Der Rahmenvertrag sieht für die Betreuungsintensität aber auch eine gewisse Variationsbreite vor, sie liegt zwischen 1,7 und 2,13 Kindern pro Fachkraft. Die Durchschnittsgröße pendelt sich bei 1,9 ein.

Was ist eine Intensivgruppe?
Das Gros der Angebote im Martinswerk besteht inzwischen aus Intensivgruppen. Diese Gruppenform stellt die Betreuungsintensität zur Verfügung, wie sie für unsere Spezialangebote geeignet ist. Eine Intensivgruppe ist, wie der Name schon nahelegt, die Betreuungsform mit der höchsten Betreuungsintensität. Hier geht der Gesetzgeber von folgender Betreuungsdichte aus: 1 Fachkraft steht maximal 1,69 jungen Menschen zur Verfügung. Die Betreuungsintensität muss also immer höher sein als 1 : 1,7. Auch hier ist die Nachtbereitschaft bereits berücksichtigt. Die Variationsbreite dieser intensivsten Betreuungsform, die das KJHG kennt, liegt zwischen 1,0 und 1,69.

Was ist ein Angebot mit einem niedrigen Betreuungsaufwand?
Die Angebote mit niedrigem Betreuungsaufwand werden in aller Regel älteren Jugendlichen oder jungen Volljährigen als Verselbstständigungsangebote zur Verfügung gestellt. Im Allgemeinen haben diese jungen Menschen schon Maßnahmen höherer Betreuungsintensität durchlaufen und können nun mit geringerem Betreuungsaufwand verselbstständigt werden. Hier betreut 1 Fachkraft 2,13 und mehr Jugendliche und junge Volljährige. Die jungen Menschen sollen hier, salopp gesagt, den letzten Schliff erhalten, deshalb liegt die Variationsbreite auch zwischen 2,14 und 8.

Was ist eine Individualhilfe?
Individualhilfen sind Einzelmaßnahmen oder Maßnahmen mit hoher Betreuungsintensitßt, also Kleinstgruppen. Sie gehören zu den intensivsten Hilfeangeboten. Es gibt hier zwar keine vom Gesetzgeber vorgegebene Variationsbreite, wir würden sie aber im Bereich von 1,0 bis 1,3 sehen. Das heißt, eine pädagogische Fachkraft sollte maximal 1 bis im Durchschnitt 1,3 Kinder oder Jugendliche betreuen. In diesem Sinne sind die meisten unserer Intensivgruppen auch gleichzeitig Individualmaßnahmen.

Gruppenübergreifende Angebote:
Unserem erklärten Ziel folgend, immer mehr individuelle Hilfsangebote zur Verfügung zu stellen, haben wir auch den übergreifenden oder therapeutischen Dienst neu konzipiert und, einem erweiterten Therapiebegriff entsprechend, differenziert.

Neben zwei Psychologinnen, steht eine konsiliarisch tätige Kinder- und Jugendpsychiaterin, eine Erlebnispädagogin und eine Sportpädagoge zur Verfügung. Alle hauptamtlich für uns tätigen haben zusätzliche therapeutische Standbeine entwickelt. So sind die Psychologinnen neben ihrer Grundqualifikation auch systemisch ausgebildet. Des Weiteren ist eine der Damen zertifizierte AAT-Trainerin, Trekking- und Bergsport-LehrTrainerin (LSB/NRW) und LehrTrainerin für künstliche Kletteranlagen (LSB/NRW), die andere Therapeutin hat ein Skillstraining entwickelt, um vorhandene Ressourcen unserer jungen Bewohner stärker fördern zu können. Unsere Erlebnispädagogin hat, ausgehend von der Hahnschen Erlebnispädagogik unterschiedliche Sozialtrainings entwickelt, die, in vielen Fällen, unsere therapieerfahrenen und therapieverschlissenen Kinder und Jugendlichen erst einmal wieder therapiefähig machen und deren Gemeinschaftssinn reaktivieren. Unser Sportpädagoge schließlich ist ebenfalls AAT-Trainer, bietet Coolness-Trainings an und hat besondere psychomotorische Anwendungen für koordinativ schwache junge Menschen entwickelt.

In seiner Vielfalt ist der therapeutische Dienst, das wird hoffentlich deutlich, einem ganzheitlich-psychodynamischen Therapiekonzept verpflichtet, das die Kinder und Jugendlichen nicht auf ein so genanntes Störungsbild reduziert, sondern die Ressourcen unserer jungen Menschen in den Mittelpunkt stellt.

In der Folge haben Sie, die Besucher unserer Seite, Gelegenheit sich intensiver mit den therapeutischen und sozialpädagogischen Konzepten unseres therapeutischen Dienstes auseinander zu setzen.